Kunstwerke aus Stroh - meine Reise durch ein außergewöhnliches Handwerk
15. August 2026Eine Bewohnerin des Betreuten Wohnens Ebersbach-Roßwälden hielt kürzlich einen interessanten Vortrag über ihre Stroharbeit. Im Anschluss verfasste sie diesen Artikel:
Ich hielt einen Vortrag über "Kunstwerke aus Stroh" in unserem Pflegestift Ebersbach-Roßwälden. Die Zuhörerinnen und Zuhörer folgten über eine Stunde aufmerksam, stellten Fragen und brachten eigene Beiträge ein.
Als Werklehrerin ließ ich meine Schülerinnen und Schüler kleine Strohsterne herstellen, was ihnen große Freude bereitete. In einem Schaufenster entdeckte ich später einen großen Strohstern und dachte: Das kann ich auch. Ich fertigte meinen eigenen an und entwickelte die Technik weiter.
Mein Mann begleitete mich zu mehreren Kunsthandwerkermärkten, auf denen Stroharbeiten gezeigt wurden. So entstanden Kontakte nach Holland, in die Schweiz und nach Ungarn – und sogar zu einem Kurs bei Swetlana, die aus Russland zu Besuch war. Der Austausch mit ihr und vielen anderen hat mich sehr bereichert.
Nach der Ernte wurde früher viel gefeiert. Die Menschen vor Christi Geburt glaubten an Gottheiten und stellten zur Erinnerung eine Fruchtbarkeitsgöttin aus Ähren her, die sie verehrten – aus Angst vor Sturm, Hagel, Trockenheit oder Überschwemmungen. Dazu zeigte ich ein Foto. Nach einem großen Hungerjahr verordnete König Wilhelm I. einen Erntebittgottesdienst, der bis heute jährlich gefeiert wird.
Bei einer Fahrt zum geschmückten Altar am Erntedankfest entdeckte ich in Hirrlingen bei Tübingen einen wunderschönen Ständer aus Ähren. Er inspirierte mich zu einem eigenen Werk. Ich zeigte außerdem Bilder von Erntekränzen, Erntekronen, Fächern und Herzen.
Kate, die zukünftige Königin von England, trug gern einen Fascinator – ein kleines Hütchen. Ich fertigte einen solchen aus Stroh nach. Einen Strohhut verzierte ich zudem mit einem geflochtenen Pfau.
Das Strohsternfieber hatte mich endgültig gepackt: Ich präsentierte Obwaldner Sterne, kleine Sterne aus gespaltenem Stroh, große Sterne mit aufgesägten Schwarznüssen, Krippenbilder, Engel in verschiedenen Techniken, Variojo-Flechtarbeiten („Auge Gottes“), Hugenottenkreuze, keltische Knoten sowie dekorative Figuren wie Katze und Gockel.
Vierzig Jahre lang gab ich Kurse, und viele meiner Stroharbeiten hängen heute in Museen. Einige wurden in Fachzeitschriften veröffentlicht. Mein Mann hat mich stets unterstützt. Bei Vorstellungen sagte er gern schmunzelnd: „Mein Weib hat Stroh im Kopf.“