15 Jahre am Geriatrischen Zentrum - Pfarrerin Cornelia Reusch verabschiedet

17. Januar 2021

Pfarrerin Cornelia Reusch geht in den Ruhestand

Wöchentliche Gottesdienste mit Pfarrerin Reusch im Festsaal, Geriatrisches Zentrum Esslingen-Kennenburg

Demenzgottesdienste und gute Integration in die Evang. Kirchengemeinde St. Bernhardt zum Hohenkreuz

"Es war, als hätte mich diese Stelle gerufen", sagt Pfarrerin Cornelia Reusch der Esslinger Zeitung. Es geht um das Pfarramt im Geriatrischen Zentrum Kennenburg, eine eigene Pfarrstelle als Teil der Evangelischen Kirchengemeinde St. Bernhardt zum Hohenkreuz. Der Seelsorgeauftrag bezog sich zu Beginn auf knapp 200 Pflegestiftsbewohnerinnen und -bewohner, ein Wohnstift mit über 100 Wohnungen, rund 300 Mitarbeitende und fast 10 Jahre lang auf die Klinikseelsorge in der Aerpah-Klinik. Jetzt verabschiedete Dekan Bernd Weißenborn Cornelia Reusch in den Ruhestand - mit einem Gottesdienst unter Corona-Bedingungen. Weil hier nur sehr wenige Menschen teilnehmen durften, an dieser Stelle die Worte, die Cornelia Reusch selbst für ihre besondere Kennenburger Gemeinde formulierte:

Pfarrerin Reusch geht in den Ruhestand. „Wie lange waren sie eigentlich hier?“ werde ich jetzt oft gefragt. Am 24. April 2005 habe ich mich im Gottesdienst vorgestellt. Da hatte ich einen kleinen Seelsorgeauftrag im „Wohnstift“, wie es damals hieß. Am 18. März 2007 wurde ich in einem festlichen Gottesdienst von Dekan Kaufmann als Pfarrerin eingesetzt.

Damals war ich noch jung - im Vergleich zu den Menschen hier. Nun bin ich selbst alt geworden, unsere drei Kinder sind längst erwachsen, mein Mann ist schon im Ruhestand und ein kleiner Enkelbub gehört auch zu uns. Abschied zu nehmen von den Bewohnerinnen und Bewohnern, den Mitarbeitenden und den vielen, die sich ehrenamtlich engagieren, fällt mir schwer. Ich spüre den Schmerz der Trennung.

Ich liebe meinen Beruf und die vielfältigen Möglichkeiten der Entfaltung. Bunt und vielfarbig hat er sich auch hier entfaltet. In vielen Bereichen musste ich mich erst einarbeiten: Wie funktioniert so ein großes Haus wie unseres? Wer ist wo zuständig? Was hießt BRL und Leiko? Wo ist die Aerpah-Klinik, die Reha? Und wie finde ich wohin? Damals riet man mir, immer die gleichen Wege zu gehen, um mich zurecht zu finden! Daran musste ich oft denken – auch jetzt noch während der langen Umbauphase. Unser Haus ist und bleibt wohl ein Labyrinth!

Ganz neue Wissensgebiete musste ich mir erschließen – kam ich doch aus dem Gemeindepfarramt. Neuland war auch der Unterricht in den drei Kursen der Altenpflegeschule. Anfangs hatte ich ziemlich Bammel, wenn ich hoch ging zum Unterricht. Das änderte sich bald: Die Schüler*innen lernten nicht nur von mir – ich lernte auch viel von ihnen. Aus Nepal, Kasachstan, Nigeria und Simbabwe, aus Bosnien und Rumänien kamen sie, auch aus den neuen Bundesländern. Bunt gemischt – Katholiken und Protestanten, Orthodoxe und Muslime und nicht wenige ohne religiösen Hintergrund. Spannend und auch bewegend, mit so vielen Menschen religiösen und ethischen Fragen nachzugehen!

Manchen Schülerinnen begegne ich auch bei uns im Haus. Gerade jetzt, wo ich wieder nur online unterrichten kann, freuen wir uns über unverhoffte Begegnungen im Bellevue oder Cabinet! Cornelia Reusch – Seelsorge – so steht auf meinem Schild, das ich trage, wenn ich im Haus unterwegs bin. „Seelsorgerin“ für die Menschen im Haus, im Quartier am Hainbach und die Angehörigen und auch die Mitarbeitenden. Was für eine schöne Aufgabe!

Manche Gespräche ergaben sich auf dem Flur, andere führte ich im geschützten Bereich unseres Seelsorgezimmers, vor allem auch in den Wohnungen und Zimmern. Bunt und vielfarbig erlebte ich diese Begegnungen. Wie beglückend, wenn Menschen sich einem anvertrauen, weil sie wissen, dass ich als Pfarrerin das Beichtgeheimnis wahre. Hören und schauen, was ein Mensch mir sagen will, was er oder sie braucht. Und gemeinsam suchen, was helfen könnte. Miteinander weinen und lachen, auch mal ein Lied singen, das uns gemeinsam stärkt.

Nicht selten war es meine Aufgabe, einfach da zu sein. Die Situation mit auszuhalten. Ja, Seelsorgerin zu sein, ist etwas Wunderbares. Manchmal war ich auch verzagt. Wie froh war ich, dass wir jeden Sonntag Gottesdienst feiern. Dort können wir uns stärken und trösten lassen, das Leben feiern und die Gemeinschaft der Glaubenden. Ja, das wird mir sehr fehlen: Die Gottesdienste am Sonntag in ökumenischer Verbundenheit, die Sommergottesdienste im Park rund um den Springbrunnen mit dem von Monika Wille so schön geschmückten Altar, dem Posaunenchor von St. Bernhardt, dem Kirchenchor… Farbig – vielgestaltige Gottesdienste unter Gottes weitem Himmel und im Schatten der Bäume beim Plätschern des Springbrunnens.

Und einmal im Jahr Gottesdienst in St. Bernhardt – Kirchle für Menschen mit Demenz mit ihren Angehörigen. Vorbereitet vom Team mit Gudrun Fröhler und Brigitte Fleischer. Anschaulich und vielfarbig. Gottes Zuwendung und Begleitung erfahrbar machen, wenn die kognitiven Fähigkeiten nachlassen, das bleibt eine spannende und bewegende Aufgabe. Ich hoffe sehr, dass das „Abendsingen“ weiterlebt, wenn Corona endet. Am Bett zu singen und damit anzuknüpfen an Erfahrungen aus Kindertagen, ist so wertvoll und wird in diesen Tagen der Pandemie so sehr vermisst.