„Mich in meiner Schwachheit ernst nehmen“ - Palliative Care bei DfM

27. April 2017

Univ. Prof. Mag. Dr. Andreas Heller M.A., Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik / IFF Wien

Susanne Kränzle, Vorsitzende Hospiz- und PalliativVerband BW

„Das Sterben eines Menschen bleibt als wichtige Erinnerung zurück bei denen, die weiterleben.“ So Cicely Saunders, die 1967 das St. Christopher’s Hospice im Südosten Londons begründete.

Dienste für Menschen ist ein diakonischer Altenhilfeträger. In den 21 stationären Einrichtungen wird gelebt und gefeiert. Der Alltag wird in seiner Unmittelbarkeit angenommen und geprägt durch Gespräche, durch Rituale, durch Pflege, Betreuung, Seelsorge, Veranstaltungen und anderes mehr. Wir sind kein Hospiz.

Wir reden aber offen über Tod und Sterben. Denn am Ende eines jeden Lebens steht der Tod. Er ist uns vorgegeben. Und jeder, der stirbt, lässt Menschen zurück, die mit der Erinnerung weiterleben. Deswegen haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Palliative Care im Pflegeheim zu implementieren, eine Palliative Care Konzeption für alle Einrichtungen zu erarbeiten. Wir wollen Menschen, die schwerkrank und sterbend sind, so begleiten und versorgen, dass sie sich sicher fühlen können, sozusagen wie in einen Mantel (Pallium) eingehüllt.

Den Auftakt für den Schwerpunkt Palliative Care bildete eine Klausurtagung für Führungskräfte vor einem Jahr. Mit einem ersten und einem zweiten Fachtag haben wir eine breite Anzahl von Mitarbeitenden erreicht, die von Univ. Prof. Mag. Dr. Andreas Heller M.A. Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik / IFF Wien und von Susanne Kränzle, Vorsitzende Hospiz- und PalliativVerband BW in die Grundlagen eingeführt wurden.

Palliative Care ist zu einem wichtigen Teil (80%) eine Haltung. Professor Heller fasste die Haltung in einem einfachen Satz zusammen: „Es gut meinen mit mir, mich in meiner Schwachheit ernst nehmen.“ Neben der Haltung, die ganz auf die Bedürfnisse des Schwerkranken und der Angehörigen ausgerichtet ist, schafft die Pflegefachlichkeit Symptomlinderung beispielsweise durch eine besondere Mundpflege oder über Aromen oder Lagerungen. Durch Kooperation mit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) stehen Palliativmediziner im Hintergrund bereit, um beispielsweise Schmerzen zu lindern.

Palliative Care fasst unterschiedliche Themenbereiche zusammen: Ganz vorne stehen die Bedürfnisse und Wünsche der Schwerkranken, die Symptomkontrolle oder -linderung. Es können sich Situationen zuspitzen, für die es eine Entscheidung braucht. Weitere Themen sind der Umgang mit Leid, die Begleitung und Beratung von Angehörigen, die eigene Haltung, die Haltung im Team, Abschiedskultur und Trauerbegleitung.

Die drei wichtigsten Themen für Palliative Care aber seien, so Professor Heller: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Es braucht Orte, wo wir nach dem Guten fragen können, wo wir unterschiedliche Perspektiven zusammen tragen und aufeinander hören können, um den ganzen Menschen mit seinem Körper, seiner Psyche, seiner Spiritualität und seiner Sozialität wahrzunehmen und die Lebensqualität verbessern zu können.

Auf der Mitarbeitendenseite braucht es Qualifizierung, Handlungssicherheit, gute Routine, Kraftquellen und die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben.

Mit Klausurtagung und den beiden Fachtagen haben wir einen guten Anfang hinbekommen. Weitere Schulungsangebote werden folgen.